Zurück zur Übersicht / 07.04.2026

Drei Jahrzehnte InnoTrans

Kerstin Schulz arbeitet seit 2001 für die Messe Berlin. 2004 wechselte sie zur InnoTrans, seit 2013 leitet sie die Veranstaltung als Direktorin.

Interview mit Kerstin Schulz, Direktorin der InnoTrans

30 Jahre InnoTrans – was bedeutet Ihnen das Jubiläum?
Dieses Jahr ist ein ganz besonderes für uns alle bei der Messe Berlin und für mich persönlich natürlich auch. Eine Messe, die sich über 30 Jahre so entwickelt hat wie die InnoTrans in ihrer heutigen Form, ist eine absolute Ausnahme und macht uns alle sehr stolz. Ich staune immer wieder, wenn ich Fotos von 1996 neben die von heute lege.

«Ich staune immer wieder, wenn ich Fotos von 1996 neben die von heute lege.»

Wieso?
Vor der ersten InnoTrans wusste niemand so genau, was das geben würde. Es war mehr ein Bauchgefühl als eine knallharte Kalkulation, die den Ausschlag gegeben hat. Am Ende hatten wir 172 Aussteller auf unserem Gelände und dem Güterbahnhof Wilmersdorf – damals gab es noch gar keine Gleise auf dem Messegelände. Inzwischen haben wir rund 3'000 Aussteller aus mehr als 50 Ländern. Und aus den 6'300 Besuchern 1996 sind heute fast 170'000 geworden. Wir sind immer internationaler geworden, mehr als die Hälfte unserer Besucher und Aussteller kommt aus dem Ausland. Auch das war vor 30 Jahren noch ganz anders. Wir haben immer versucht, mit der Zeit zu gehen. In diesem Jahr findet erstmals ein Hackathon statt, wir verleihen Preise an Influencer und bieten Rundgänge zum Thema KI und Robotik an. Unsere App haben wir für die InnoTrans 2026 komplett überarbeitet, das so wichtige sogenannte «Matchmaking» wird dadurch noch einfacher.

Die InnoTrans ist immer schon weit im Voraus ausgebucht. Worauf führen Sie das zurück?
Das Portfolio unserer Aussteller reicht von der Schraube über grössere Einzelkomponenten bis zum kompletten Fahrzeug. Unsere Besucher und Aussteller bekommen bei uns komprimiert das geboten, wofür sie anderswo mehrere Messen besuchen müssen. Das zeigen auch unsere Aussteller- und Besucherumfragen: Die Zufriedenheitswerte liegen in allen Bereichen weit über 90 Prozent. Wer einmal bei der InnoTrans war, kommt in der Regel wieder.

«Der Trend zu mehr Internationalität wird sich fortsetzen.»

Gibt es Regionen oder Segmente, die aktuell besonders an Bedeutung gewinnen?
Seit mehr als 20 Jahren basiert die InnoTrans auf den Segmenten Railway Technology, Public Transport, Infrastructure, Interiors und Tunnel Construction. Das ist quasi das Grundgerüst der InnoTrans. Aktuell verzeichnen wir eine deutlich steigende Nachfrage nach Infrastruktur-Themen. Regional betrachtet sehen wir die grössten Zuwächse derzeit aus Übersee: Vor allem aus China und Indien bekommen wir aktuell besonders viele Nachfragen. Wir haben grosse Delegationen aus den USA, die sich angemeldet haben. Die Südamerikaner werden auch immer stärker. Der Trend zu mehr Internationalität wird sich fortsetzen.

Swissrail ist seit vielen Jahren Teil dieser Internationalisierung.
Ja, und darüber sind wir sehr froh. Bei der Premiere 1996 waren zwei Schweizer Unternehmen dabei, 2024 waren es mehr als 130. Wir arbeiten sehr vertrauensvoll miteinander und haben gemeinsam viele tolle Projekte realisieren können. Der CO2-bewusste Stand der Swissrail bei den vergangenen beiden Ausgaben der InnoTrans hat nicht nur Standards gesetzt, sondern auch eine wesentliche Entwicklung der Branche widergespiegelt. Nahezu jede Innovation, die auf der InnoTrans vorgestellt wird, zahlt auf das Thema ökologische Nachhaltigkeit ein. Dazu passt, dass viele Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz umweltschonend per Bahn statt mit dem Flieger nach Berlin kommen. Das freut mich jedes Mal aufs Neue.

2027 findet erstmals die InnoTrans Asia in Singapur statt. Ist das nicht eine Konkurrenz zu Berlin?
Nein, sie ist eine Ergänzung und keine Konkurrenz. Die InnoTrans in Berlin bleibt als zentraler Treffpunkt der Branche das Herzstück. Die InnoTrans Asia hingegen richtet sich gezielt an den Wachstumsmarkt im asiatisch-pazifischen Raum. Dort steigt die Nachfrage nach moderner Schienenverkehrstechnik, Automatisierung und nachhaltigen Lösungen rasant. Wir schaffen nun eine attraktive Plattform vor Ort, die den Zugang zum stark fragmentierten Markt ermöglichen soll. Nicht zuletzt ist die InnoTrans Asia ein wichtiger Teil der Internationalisierungsstrategie der Messe Berlin. Wir haben mit anderen Formaten wie der ITB sehr gute Erfahrungen mit der Gründung solcher Satelliten gemacht. Die regionalen Veranstaltungen wie die ITB Indien, die ITB China oder künftig die ITB Mexiko profitieren von der Erfahrung und dem Netzwerk der globalen Leitmesse in Berlin. Diese ist wiederum näher an den jeweiligen Märkten. Die Veranstaltungen befruchten sich dadurch gegenseitig.

«Am Ende entscheidet immer die Zufriedenheit der Aussteller und Besucher über den Erfolg einer Messe.»

Wir leben in geopolitisch sehr unsicheren Zeiten. Welchen Stellenwert werden zentralisierte Messen in der Zukunft noch haben?
Diese Diskussion führt die Branche seit Jahrzehnten: Brauchen wir grosse Leitmessen oder machen kleinere Spezialmessen mehr Sinn? Ich glaube, beide Formate haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist die Relevanz. Am Ende entscheidet immer die Zufriedenheit der Aussteller und Besucher über den Erfolg einer Messe. Und da wollen wir mit der InnoTrans auch in Zukunft Massstäbe setzen.

Herzlichen Dank für das Interview!

Das Interview ist in der Märzausgabe 2026 vom Verbandsmagazin "express" von Swissrail erschienen.

Hier kannst du die vollständige Ausgabe lesen.